Kontinuität oder Untergang? Instrumente oberdeutscher Familiengesellschaften im 16. Jahrhundert zur Sicherung ihrer wirtschaftlichen Stabilität und Nachhaltigkeit. Eine qualitative Studie am Beispiel der Augsburger Paumgartner

Projektleiter: Prof. Dr. Markus A. Denzel / PD Dr. Mechthild Isenmann
Projektmitarbeiter: Stefan Lehm M.Ed.

Das Dissertationsprojekt richtet den Fokus auf die oberdeutsche Unternehmerfamilie der Augsburger Paumgartner (ca. 1479-1581) in der frühen Neuzeit und erprobt an ihr exemplarisch ein wirtschaftshistorisch interpretiertes Konzept der Resilienz. Im Projekt wird untersucht, inwiefern sich die Paumgartnerische Handelsgesellschaft sowie die Unternehmerfamilie selbst, anpassungsfähig gegenüber neuen Rahmenbedingungen zeigte und sich im Bemühen um intergenerationelle Bestandserhaltung des Besitzes und Wohlstands während Krisensituationen und disruptiven Ereignissen widerstandsfähig, flexibel und innovativ verhielt.

 

Dafür werden im Untersuchungszeitraum disruptive Ereignisse und Krisen identifiziert und hinsichtlich ihrer Auswirkung auf die Familie Paumgartner und ihre Unternehmung analysiert. Aufgrund des Facettenreichtums der Paumgartnerischen Tätigkeitsfelder – u.a. in Montanwirtschaft, Hochfinanz sowie Gütererwerbungen aktiv – lassen sich Ansätze von Resilienzstrategien interpretieren, deren Ziel die Beibehaltung von Stabilität oder eine schnelle Wiedererlangung eines Gleichgewichtszustandes nach einem Schockmoment war. Hierbei lassen sich neben bekannten Instrumenten wie Testamenten auch neuartige Instrumente im Kreis der Augsburger Großkaufleute finden, z.B. ein Familienstatut oder eine Rechtsordnung, die von den Augsburger Paumgartnern herausgegeben wurde.

Neben diesen exemplarisch genannten sozial- und rechtshistorischen Quellen lassen sich auch Handelsakten heranziehen, die den Umgang mit ökonomischen Angelegenheiten interpretierbar werden lassen. Konkrete Geschäftsunterlagen, die den Zeitraum der dritten Augsburger Paumgartnergeneration abzudecken vermögen, bieten darüber hinaus die Möglichkeit, das Augenmerk insbesondere auf den Zeitraum des wirtschaftlichen Niedergangs der Familie, der sich, trotz vermeintlich resilientem Unternehmertum in der ersten und zweiten Generation, nicht vermeiden ließ, zu richten, was von der bisherigen Forschung bislang kaum geleistet wurde. Erfahrungen über alle drei Generationen sollen schließlich eine empirische Grundlage für weitere Forschungsvorhaben bilden, die sich unter einer wirtschaftshistorischen Perspektive mit Resilienzmanagement und dem damit verbundenen Ziel einer ökonomischen Nachhaltigkeit befassen.

 

Förderer dieses Projektes:
EQUA-Stiftung: 10/2016-09/2017
Doktorandenförderplatz der Universität Leipzig: 10/2017-09/2019